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🐛 Pflanzenschutz

Fressen Ameisen Blattläuse? Die ganze Wahrheit

(aktualisiert: 12. Mai 2026) 11 Min. Lesezeit

Nein, Ameisen fressen Blattläuse in aller Regel nicht. Stattdessen schützen sie diese aktiv, bewachen Blattlauskolonien und profitieren von einem zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukt namens Honigtau. Wer Ameisen auf befallenen Pflanzen beobachtet, sieht keine Räuber, sondern Hirten. Dieses Zusammenspiel macht Blattläuse im Garten besonders hartnäckig und erklärt, warum ein Ameisenbefall oft Hand in Hand mit einem Blattlausbefall geht.

Dieser Artikel erklärt die Biologie hinter der Ameisen-Blattlaus-Symbiose, zeigt die seltenen Ausnahmen, in denen Ameisen Blattläuse doch fressen, und gibt konkrete Methoden an die Hand, mit denen du die Beziehung zwischen den beiden Tiergruppen unterbrichst.

Ameisen auf einem Pflanzenast neben einer Kolonie grüner Blattläuse

Fressen Ameisen Blattläuse? Die kurze Antwort

Ameisen fressen Blattläuse nicht. Sie pflegen sie. Die Beziehung zwischen beiden Insektengruppen ist eine der bekanntesten Symbiosen im Tierreich: Ameisen gewinnen Honigtau als Nahrung, Blattläuse erhalten Schutz vor Fressfeinden. Wer also beobachtet, dass Ameisen auf einer Pflanze über Blattlauskolonien laufen, sollte nicht darauf hoffen, dass die Ameisen das Problem lösen. Das Gegenteil ist der Fall.

Laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gehören Blattläuse zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Pflanzenschädlingen überhaupt. Ihre Schutzbeziehung mit Ameisen verstärkt den Schaden erheblich, weil natürliche Gegenspieler systematisch vertrieben werden.

Fressen Ameisen Läuse also gar nicht? Fast nie. Die Ausnahmen sind so selten, dass sie für die Gartenpraxis kaum relevant sind.

Wann fressen Ameisen Blattläuse doch?

Es gibt Situationen, in denen Ameisen Blattläuse tatsächlich fressen. Bei extremer Nahrungsknappheit, etwa nach einem harten Winter oder wenn das Honigtauangebot vollständig versiegt, greifen einzelne Ameisenarten auf Blattläuse als Proteinquelle zurück. Auch überzählige Blattläuse, die eine Kolonie zu groß werden lassen, werden gelegentlich dezimiert. Bestimmte Ameisenarten ohne ausgeprägte Hirtenstrategie fressen Blattläuse häufiger als andere. Im normalen Gartenjahr aber bleibt das die absolute Ausnahme. Wer auf Ameisen als Blattlaus-Bekämpfer wartet, wartet vergebens.

Zusammenfassung: Ameisen und Blattläuse

  • Keine Räuber, sondern Hirten -- Ameisen fressen Blattläuse nicht, sondern schützen sie aktiv vor Fressfeinden
  • Honigtau als Währung -- Blattläuse produzieren zuckerhaltigen Honigtau, den Ameisen als Hauptnahrung nutzen
  • Doppelter Schaden -- Ameisen vertreiben Nützlinge und transportieren Blattläuse auf neue Pflanzen
  • Symbiose unterbrechen -- Leimringe und Barrieren trennen Ameisen von Blattläusen und ermöglichen natürliche Regulierung

Was sind Blattläuse – und wie erkennst du sie?

Blattläuse (Aphidoidea) sind kleine Pflanzensauger, die weltweit in über 5.000 Arten vorkommen. In Mitteleuropa sind rund 800 Arten bekannt, von denen etwa 100 regelmäßig im Garten auftreten. Sie stechen in Pflanzengewebe ein und saugen Phloem-Saft, also zuckerhaltigen Pflanzensaft. Das schwächt die Pflanze direkt und ermöglicht gleichzeitig das Eindringen von Viren und Pilzkrankheiten wie Falschem Mehltau.

Blattläuse vermehren sich im Sommer parthenogenetisch, also ohne Befruchtung. Eine einzige Blattlaus kann innerhalb weniger Wochen Tausende Nachkommen produzieren. Diese explosionsartige Vermehrung macht Läuse an Pflanzen zu einem der schwierigsten Gartenprobleme überhaupt.

Wie sehen Blattläuse aus?

Eine Blattlaus ist zwischen 1 und 6 Millimeter groß, weichhäutig und hat einen birnenförmigen Körper. Charakteristisch sind zwei röhrenartige Ausstülpungen am Hinterleib, die sogenannten Siphonen oder Kornikeln, durch die Abwehrsekrete abgegeben werden. Der Körper kann grün, schwarz, braun, gelb oder rosa gefärbt sein, je nach Art und Wirtspflanze. Geflügelte und ungeflügelte Formen kommen in derselben Art vor. Wie sehen Blattläuse aus im Detail erklärt unser ausführlicher Bestimmungsartikel.

Grüne und schwarze Blattläuse im Garten

Im Garten begegnen dir vor allem zwei Gruppen: grüne Blattläuse, darunter die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) und die Grüne Apfelblattlaus (Aphis pomi), sowie schwarze Blattläuse wie die Schwarze Bohnenblattlaus (Aphis fabae). Beide Gruppen werden von Ameisen gleichermaßen gehütet. Fressen Ameisen schwarze Blattläuse oder grüne Blattläuse bevorzugt? Nein, die Farbe spielt keine Rolle. Entscheidend ist allein der Honigtauertrag der jeweiligen Kolonie.

5.000+
Blattlausarten weltweit
800
Arten in Mitteleuropa
1–6 mm
Körpergröße einer Blattlaus
150
Blattläuse pro Tag frisst eine Marienkäfer-Larve

Die Symbiose: Warum Ameisen Blattläuse melken statt fressen

Die Symbiose: Warum Ameisen Blattläuse melken statt fressen

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Definition: Aphidophilie (Trophobiose)

Als Trophobiose bezeichnet die Biologie eine Wechselbeziehung, bei der ein Tier einem anderen Nahrung liefert und dafür Schutz oder andere Vorteile erhält. Die Ameisen-Blattlaus-Beziehung ist das bekannteste Beispiel dieser Symbioseform im Insektenreich.

Die Beziehung zwischen Ameisen und Blattläusen ist keine zufällige Begegnung, sondern eine evolutionär eingespielete Partnerschaft. Das Julius Kühn-Institut beschreibt sie als eine der stabilsten Trophobiosformen unter Insekten. Beide Seiten profitieren, während die Pflanze als Dritte im Bunde den Schaden trägt.

Honigtau: Das süße Geschäft zwischen Ameisen und Blattläusen

Blattläuse nehmen weit mehr Zucker auf, als sie selbst verwerten können. Den Überschuss scheiden sie als Honigtau aus, einen klebrigen, zuckerhaltigen Tropfen. Ameisen stimulieren die Abgabe dieses Honigtaus gezielt, indem sie die Blattläuse mit ihren Fühlern streicheln. Dieses Verhalten wird als “Melken” bezeichnet.

Honigtau enthält vor allem Saccharose, Glucose und Fructose und ist für Ameisen eine hochwertige Energiequelle. Manche Ameisenarten tragen Blattläuse sogar in ihre unterirdischen Nester, um sie dort zu überwintern und im Frühjahr wieder auf Pflanzen auszusetzen. Das beschreibt der NABU als ein Beispiel für die außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit von Ameisen im Ökosystem.

Fressen Ameisen schwarze oder grüne Blattläuse?

Weder schwarze noch grüne Blattläuse stehen auf dem regulären Speiseplan der Ameisen. Beide Farbvarianten werden gleichermaßen gehütet. Die Frage, ob Ameisen schwarze Blattläuse oder grüne Blattläuse fressen, lässt sich eindeutig verneinen. Ameisen unterscheiden nicht nach Farbe, sondern nach Honigtaupotenzial. Einzige Ausnahme: Blattläuse, die krank, tot oder überzählig sind, werden gelegentlich als Proteinquelle genutzt.

Wie Ameisen Blattläuse aktiv schützen – und deine Pflanzen schädigen

Ameisen beschränken sich nicht darauf, Honigtau zu sammeln. Sie übernehmen aktiv die Sicherheit der Blattlauskolonien und erhöhen dadurch den Schaden für deine Pflanzen erheblich. Fressen Ameisen Blätter dabei direkt? Nein. Aber ihr Schutzverhalten gegenüber Blattläusen sorgt dafür, dass die Pflanzensauger ungestört Schaden anrichten können.

Ameisen vertreiben Nützlinge wie den Marienkäfer

Marienkäfer, Florfliegen und andere Nützlinge, die Blattläuse fressen würden, werden von Ameisen aktiv angegriffen und vertrieben. Ameisen beißen in Marienkäfer-Larven, schlagen mit Ameisensäure nach fliegenden Insekten und stören die Eiablage von Schwebfliegen in der Nähe von Blattlauskolonien. Das Ergebnis: Natürliche Feinde meiden befallene Pflanzen, wenn Ameisen präsent sind. Die Blattlauskolonie kann ungehindert wachsen.

Ameisen transportieren Blattläuse auf neue Pflanzen

Wenn eine Blattlauskolonie zu groß wird oder die Wirtspflanze erschöpft ist, transportieren Ameisen einzelne Blattläuse aktiv auf neue, gesunde Pflanzen. Dieser gezielte Transfer beschleunigt die Ausbreitung von Läusen an Pflanzen im gesamten Garten erheblich. Ein Befall, der ohne Ameisen vielleicht auf einen Strauch beschränkt geblieben wäre, kann sich so innerhalb weniger Wochen auf Nachbarpflanzen ausweiten. Wer ein Hochbeet befüllt und Ameisennester in der Nähe hat, sollte diesen Mechanismus im Blick behalten.

⚠️
Ameisen verstärken Blattlausbefall erheblich

Wo Ameisen Blattläuse hüten, fehlen natürliche Gegenspieler. Studien der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zeigen, dass Blattlauspopulationen unter Ameisenobhut deutlich größer werden und länger bestehen als ohne Ameisenbegleitung. Die Symbiose ist für Pflanzen eine doppelte Belastung.

Natürliche Feinde der Blattläuse: Marienkäfer & Co.

Wenn Ameisen Blattläuse nicht fressen, wer tut es dann? Die Natur hat eine Reihe effektiver Räuber hervorgebracht, die Blattlauspopulationen in Schach halten können. Voraussetzung ist, dass Ameisen diese Nützlinge nicht vertreiben.

Welche Nützlinge fressen wirklich Blattläuse?

Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) ist der bekannteste Blattlausräuber. Eine erwachsene Larve frisst täglich bis zu 150 Blattläuse, ein adultes Tier bis zu 100 Stück. Ähnlich effektiv sind Florfliegen-Larven (Chrysoperla carnea), die bis zu 500 Blattläuse in ihrer Entwicklungsphase verzehren. Schwebfliegen-Larven (Syrphidae) sind spezialisierte Blattlausräuber und fressen bis zu 1.000 Blattläuse pro Larvenphase. Schlupfwespen (Aphidius spp.) legen ihre Eier direkt in Blattläuse, deren Larven die Blattlaus von innen aufzehren. Das Umweltbundesamt empfiehlt den gezielten Einsatz von Nützlingen als ersten Schritt im biologischen Pflanzenschutz, bevor chemische Mittel erwogen werden.

🐞

Marienkäfer

Larve frisst bis zu 150 Blattläuse pro Tag, Adulttier bis zu 100. Einer der wirksamsten Nützlinge im Garten.

🦟

Florfliege

Die Larve der Gemeinen Florfliege (Chrysoperla carnea) frisst bis zu 500 Blattläuse in ihrer Entwicklungsphase.

🪰

Schwebfliege

Spezialisierte Blattlausjäger. Larven fressen bis zu 1.000 Blattläuse, bevor sie sich verpuppen.

🐝

Schlupfwespe

Legt Eier direkt in Blattläuse. Die Larve zehrt die Blattlaus von innen auf – hochwirksam bei starkem Befall.

Ameisen bekämpfen und die Symbiose mit Blattläusen unterbrechen

Die effektivste Strategie gegen Blattläuse an Pflanzen ist nicht die direkte Bekämpfung der Blattläuse, sondern das Unterbrechen der Ameisenverbindung. Wenn Ameisen keinen Zugang zur Blattlauskolonie haben, können Nützlinge die Regulierung übernehmen. Eine durchdachte Mischkultur-Tabelle hilft zusätzlich, Pflanzen resistenter gegen Schädlinge zu machen.

1

Ameisennester lokalisieren

Suche im Umkreis von 5 Metern um befallene Pflanzen nach Ameisennestern. Nestentfernung oder -umsiedlung reduziert den Druck sofort.

2

Leimring anbringen

Bringe an Baumstämmen und Sträuchern einen Leimring in 30–50 cm Höhe an. Ameisen kleben fest und kommen nicht zur Blattlauskolonie.

3

Barrieren anlegen

Streue Kaffeesatz, Zimtpulver oder Gesteinsmehl um Pflanzenstämme. Ameisen meiden diese Substanzen, da sie ihre Spurpheromone überdecken.

4

Blattläuse direkt behandeln

Sprühe befallene Triebe mit Schmierseifenlösung (10 ml Schmierseife auf 1 Liter Wasser) ab oder wasche Blattläuse mit einem kräftigen Wasserstrahl von der Pflanze.

Nützlinge fördern

Insektenhotels, Wildblumenstreifen und der Verzicht auf Insektizide fördern Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen als dauerhafte Lösung.

Ameisen fernhalten: Bewährte Hausmittel gegen Blattläuse und Ameisen

Hausmittel gegen Blattläuse und Ameisen wirken am besten in Kombination. Schmierseifenlösung (10 ml auf 1 Liter Wasser) direkt auf Blattlauskolonien gesprüht verstopft die Atemöffnungen der Insekten und tötet sie innerhalb weniger Stunden. Neemöl (2–5 ml auf 1 Liter Wasser mit etwas Spülmittel emulgiert) wirkt als Fraß- und Kontaktgift und stört die Häutung der Blattläuse. Knoblauch- oder Brennnesselbrühe schreckt Blattläuse ab und stärkt gleichzeitig die Pflanzenabwehr. Für Ameisen sind Kaffeesatz, Zimtpulver und frische Pfefferminze wirksame Barrieren, die Laufwege unterbrechen, ohne die Tiere zu töten. Das ist besonders wichtig, weil Ameisen als Bodenaufwühler und Samenverbreiter ökologisch wertvoll sind und nicht pauschal vernichtet werden sollten.

Leimringe, Barrieren und weitere Methoden gegen Ameisen

Leimringe sind die zuverlässigste mechanische Barriere gegen kletternde Ameisen. Sie werden direkt auf den Stamm oder auf einen darunter gewickelten Streifen Folie aufgetragen, damit die Rinde nicht beschädigt wird. Wechsle den Leimring alle vier bis sechs Wochen oder sobald er mit Insekten und Staub bedeckt ist. Alternativ funktionieren Kupferbänder um Töpfe und Kübel, da Ameisen Kupfer meiden. Wer Unkraut entfernen und dabei Ameisenstraßen freilegt, sollte diese mit Zimtpulver oder Kreide unterbrechen, um die Orientierung der Tiere zu stören.

Fazit: Fressen Ameisen Blattläuse – was du wirklich wissen musst

Ameisen fressen Blattläuse nicht. Sie schützen sie, melken sie und verbreiten sie aktiv im Garten. Wer Ameisen auf befallenen Pflanzen beobachtet, hat kein Problem weniger, sondern zwei Probleme auf einmal. Die gute Nachricht: Wer die Ameisenverbindung unterbricht, gibt der Natur die Chance, Blattlauspopulationen selbst zu regulieren. Leimringe, Barrieren und das gezielte Fördern von Nützlingen wie Marienkäfer und Florfliegen sind dabei wirksamer als jedes chemische Mittel.

✅ Checkliste: Ameisen-Blattlaus-Symbiose unterbrechen

Ameisenstraßen und Nester in der Nähe befallener Pflanzen lokalisiert
Leimringe an Baumstämmen in 30–50 cm Höhe angebracht
Kaffeesatz oder Zimtpulver als Barriere um Pflanzenstämme gestreut
Blattläuse mit Schmierseifenlösung (10 ml/l Wasser) direkt behandelt
Insektenhotel oder Wildblumenstreifen zur Nützlingsförderung angelegt
Leimring alle 4–6 Wochen erneuert oder gereinigt

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Häufig gestellte Fragen

Quellen

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MT

Michael Törner

Gartenexperte und Hobbygärtner

Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.

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