Apfelbaum schneiden: Zeitpunkt, Technik & Anleitung
Wer seinen Apfelbaum schneiden möchte, sollte den Hauptschnitt im Spätwinter zwischen Ende Februar und Mitte März an einem frostfreien Tag erledigen und diesen mit einem leichten Sommerschnitt ab Ende Juni ergänzen. Genau diese Kombination aus aufbauendem Winterschnitt und bremsendem Sommerschnitt sorgt für eine luftige Krone, gesundes Fruchtholz und Jahr für Jahr zuverlässige Ernten.
Viele Hobbygärtner schieben den Schnitt vor sich her, weil sie Fehler fürchten: Wo genau ansetzen, welcher Trieb trägt Blüten, welcher nur Holz? Und darf man überhaupt noch schneiden, wenn die Vögel brüten? Dieser Ratgeber beantwortet alle Kernfragen zum Obstbaumschnitt am Apfel: den richtigen Zeitpunkt samt gesetzlicher Schonzeit, die sichere Unterscheidung von Fruchtholz und Wassertrieben, die passende Technik für junge und alte Bäume und die teuersten Schnittfehler.

Zusammenfassung: Apfelbaum schneiden
- Zeitpunkt: Hauptschnitt Ende Februar bis Mitte März, frostfrei und trocken. Ergänzender Sommerschnitt von Juni bis August.
- Gesetz: Radikale Rückschnitte sind vom 1. März bis 30. September nach § 39 BNatSchG verboten, schonende Pflegeschnitte bleiben erlaubt.
- Technik: Immer am Astring schneiden, Fruchtholz stehen lassen, steile Wasserschosse entfernen, niemals kappen.
- Baumalter: Junge Bäume mit Erziehungsschnitt zur Pyramidenkrone formen, alte Bäume über zwei bis drei Jahre schrittweise verjüngen.
Warum sollte man einen Apfelbaum überhaupt schneiden?
Der Schnitt hält den Apfelbaum (Malus domestica) ertragsfähig und gesund, weil er Licht ins Kroneninnere bringt, kranke Äste entfernt und das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtbildung steuert. Ungeschnittene Bäume verkahlen von innen, bilden kleine Früchte und fallen in einen Zweijahresrhythmus mit wechselnden Ernteausfällen.
Was bewirkt der Schnitt bei Licht, Ertrag und Gesundheit?
Äpfel reifen nur an gut belichteten Trieben gleichmäßig aus. Eine lichte Krone trocknet nach Regen schneller ab, das drückt den Befallsdruck von Schorf und Mehltau spürbar. Gleichzeitig konzentriert der Baum seine Kraft auf weniger, dafür größere Früchte.
Der Ertragsaspekt ist bundesweit enorm: Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wird die deutsche Apfelernte 2026 auf rund 934.000 Tonnen geschätzt, 17,9 Prozent weniger als im Vorjahr und 5,4 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Witterung und Pflege entscheiden hier über Ertrag oder Ausfall, und der regelmäßige Schnitt ist die wirksamste Pflegemaßnahme im eigenen Garten.
Welche Schnittarten gibt es beim Apfelbaum?
Drei Schnittarten decken das gesamte Baumleben ab. Der Erziehungsschnitt formt junge Bäume in den ersten fünf bis acht Jahren und baut das Kronengerüst aus Leitästen auf. Der Erhaltungsschnitt begleitet den erwachsenen Baum jährlich: Er lichtet aus, entfernt Totholz und hält die Krone in Form. Der Verjüngungsschnitt holt vergreiste Bäume über mehrere Jahre behutsam zurück in die Ertragsphase. Welche Technik wann greift, hängt allein vom Alter und Zustand deines Baums ab.
Wann Apfelbaum schneiden: Winter, Frühjahr, Sommer oder Herbst?
Der beste Zeitpunkt für den Apfelbaumschnitt ist der Spätwinter von Ende Februar bis Mitte März, ergänzt durch einen Sommerschnitt zwischen Juni und August. Im Herbst solltest du die Schere dagegen konsequent im Schuppen lassen.
Apfelbaum schneiden im Frühjahr: der klassische Winterschnitt

Der sogenannte Winterschnitt erfolgt gärtnerisch im späten Winter bis ins frühe Frühjahr, idealerweise an einem frostfreien, trockenen Tag vor dem Saftfluss. In der Vegetationsruhe ist die Krone blattlos, du erkennst das Gerüst und jeden Trieb auf einen Blick. Der Baum reagiert auf den Schnitt mit kräftigem Neuaustrieb, genau dieser Effekt macht den Zeitpunkt ideal für Form- und Aufbauschnitte.
Achte auf die Wetterlage: Bei strengem Frost unter minus fünf Grad ist Holz brüchig und Wunden heilen schlecht. Ein milder, bedeckter Tag ohne Regen ist optimal, denn Nässe verschleppt Pilzsporen an den frischen Schnittflächen.
Warum lohnt es sich, den Apfelbaum im Sommer zu schneiden?

Der Sommerschnitt von Juni bis August bremst das Wachstum und lenkt die Kraft des Baums in die Früchte. Wer jetzt steil wachsende Wasserschosse entfernt und zu lange Seitentriebe einkürzt, bringt Licht an die heranreifenden Äpfel und fördert die Anlage neuer Blütenknospen fürs kommende Jahr. Gerade bei starkwüchsigen Jungbäumen und Spindelbäumen ist der Sommerschnitt die wichtigste Maßnahme überhaupt.
Winterschnitt (Februar bis Mitte März)
- Regt Neuaustrieb und Wachstum kräftig an
- Ideal für Kronenaufbau, Verjüngung und größere Eingriffe
- Blaue Struktur dank blattloser Krone bestens erkennbar
- Nur bei frostfreiem, trockenem Wetter möglich
Sommerschnitt (Juni bis August)
- Bremst Wachstum, beruhigt starkwüchsige Bäume
- Fördert Blütenansatz und Fruchtqualität
- Perfekt zum Entfernen von Wasserschossen
- Nur leichte Korrekturen, keine großen Schnitte
Herbst oder Frühjahr – was ist besser?
Das Frühjahr beziehungsweise der Spätwinter ist dem Herbst klar überlegen. Nach einem Herbstschnitt fehlt dem Baum die Zeit zum Überwallen der Wunden, die offenen Flächen werden zum Einfallstor für Pilze wie den Apfelbaumkrebs. Hinzu kommt: Frische Schnitte können in milden Herbstphasen einen Fehlaustrieb auslösen, dessen zarte Triebe dann erfrieren. Ähnlich wie beim Flieder schneiden gilt auch hier: Größere Eingriffe gehören in die Zeit vor der Schonzeit, nicht ans Ende der Saison.
| Jahreszeit | Schnittmaßnahme | Empfehlung |
|---|---|---|
| Februar bis Mitte März | Hauptschnitt, Verjüngung, Kronenaufbau | Ideal, frostfreien Tag abwarten |
| April, Mai | Nur Notkorrekturen, Totholz | Zurückhaltend, Brutzeit beachten |
| Juni bis August | Sommerschnitt, Wasserschosse entfernen | Empfohlen, leichte Eingriffe |
| September bis November | Kein Schnitt | Wunden heilen schlecht, Pilzgefahr |
| Dezember, Januar | Nur bei milder Witterung | Frostrisiko, lieber auf Februar warten |
Was erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz beim Obstbaumschnitt?
Schonende Pflege- und Formungsschnitte am Apfelbaum sind ganzjährig erlaubt, radikale Rückschnitte und Fällungen sind vom 1. März bis 30. September verboten. Das regelt § 39 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes.
Gilt die Schonzeit vom 1. März bis 30. September im Garten?
Ja, die Schonzeit gilt auch im heimischen Garten, mit einer wichtigen Präzisierung: Laut Forum Verlag sind in der Zeit vom 1. März bis 30. September nur „schonende Form- und Pflegeschnitte” zulässig, um den Zuwachs der Pflanze zu bändigen oder sie gesund zu erhalten. Das Auf-den-Stock-Setzen oder die Beseitigung von Bäumen ist in diesem Zeitraum verboten. Kurz gepflanzte Bäume auf gärtnerisch genutzten Flächen sind ausgenommen, der klassische Streuobstbaum oder Garten-Apfelbaum fällt jedoch unter den Schutz.
Für dich heißt das praktisch: Der Sommerschnitt am Apfelbaum ist legal, weil er ein schonender Pflegeschnitt ist. Die große Verjüngungskur deines Altbaums erledigst du dagegen vor dem 1. März. Unsicher, welcher Eingriff gerade erlaubt ist? Der Hecke-Check zeigt dir nach Datum und Bundesland, welche Schnitte am Gehölz jetzt zulässig sind, samt Paragraf und Bußgeldrahmen. Wer zusätzlich Reben im Garten hat, findet im Ratgeber zum Wein schneiden vergleichbare Zeitfenster.
Was droht bei Verstößen gegen den Vogelschutz?
Die Geldbußen können empfindlich ausfallen: Je nach Bundesland und Schwere des Eingriffs drohen laut Baumpflegeportal bis zu 100.000 Euro, etwa wenn brütende Vögel gestört oder geschützte Bäume in der Schonzeit gefällt werden. Unabhängig von der Schonzeit gilt ganzjährig: Sitzt ein Nest in der Krone, muss der Schnitt warten. Kontrolliere deinen Apfelbaum deshalb vor jedem Eingriff auf Neste, gerade zwischen März und August.
§ 39 Abs. 5 BNatSchG verbietet vom 1. März bis 30. September radikale Schnitte und das Entfernen von Gehölzen. Leichte Pflegeschnitte bleiben erlaubt. Brutplätze sind das ganze Jahr tabu, im Zweifel das Ordnungsamt oder die Untere Naturschutzbehörde fragen.
Fruchtholz oder Wassertrieb: Triebe sicher unterscheiden
Fruchtholz trägt die Ernte und muss erhalten bleiben, Wassertriebe rauben nur Kraft und werden entfernt. Die Unterscheidung gelingt über Wuchsrichtung, Länge und vor allem über die Knospenform.
Definition: Fruchtholz und Wasserschoss
Fruchtholz ist kurzes, waagerecht wachsendes Holz mit dicken Blütenknospen, meist als Fruchtspieß an zwei- bis dreijährigen Trieben. Ein Wasserschoss (Wassertrieb) ist ein steil aufrechter, schnellwüchsiger Langtrieb ohne Blütenansatz.
Woran erkennt man Blütenknospen und Fruchtspieße?
Blütenknospen sind dick, rund und plump, Blattknospen dagegen spitz und flach am Trieb anliegend. Der Apfel bildet seine Blüten vor allem auf kurzen Fruchtspießen, das sind warzenartige Verdickungen an älterem Holz, aus denen im Frühjahr die weiß-rosa Blütendolden brechen. Diese Spieße niemals abschneiden, sie tragen jahrelang Früchte.
Fruchtbar ist beim Apfel also das ruhige, kurze Holz im Kroneninneren und an den Außenseiten der Leitäste. Die langen, glatten Jahrestriebe mit 50 Zentimetern Zuwachs und mehr sind reines Blattholz. Beim Auslichten im Winter gilt deshalb: nach innen und steil wachsende Triebe raus, waagerechte, kurztriebig gefiederte Äste drin lassen.
Wasserschosse schneiden oder besser ausreißen?
Im Juni lassen sich junge, noch weiche Wasserschosse am besten komplett ausreißen, das entfernt auch die schlafenden Knospen an der Basis und verhindert den Nachschub. Wer stattdessen im Winter mit der Schere einkürzt, provoziert an der Schnittstelle zwei bis drei neue Wassertriebe. Sind die Schosse bereits verholzt, schneidest du sie am Ansatz glatt ab, ohne Zapfen stehen zu lassen.
Nicht jeder Steiltrieb muss weg: Fehlt in der Krone ein Ast an einer Lücke, kannst du einen gut positionierten Wassertrieb als Ersatz heranziehen. Binde ihn dafür im Sommer in einen flacheren Winkel von etwa 45 bis 60 Grad herunter, aus der waagerechten Lage bildet er in zwei bis drei Jahren Fruchtholz.
Werkzeug und Schnitttechnik: So setzt du den Schnitt richtig

Richtig schneiden heißt: scharfes, sauberes Werkzeug verwenden, jeden Schnitt am Astring ansetzen und große Äste ableiten statt kappen. Drei Werkzeuge reichen für den ganzen Baum.
| Werkzeug | Astdurchmesser | Einsatz beim Apfelbaum |
|---|---|---|
| Bypass-Gartenschere | bis ca. 2 cm | Jahrestriebe, Wasserschosse, Feinschnitt |
| Astschere mit Hebel | bis ca. 4 cm | Seitentriebe, mittlere Äste, Auslichten |
| Astsäge (Klapp- oder Bügelsäge) | ab ca. 4 cm | Leitäste, Totholz, Verjüngungsschnitt |
Astring, Schnittwinkel und Zapfen: Wo genau wird geschnitten?
Der Astring ist die wulstartige Verdickung am Astansatz, in ihr sitzt das Gewebe, das die Wunde überwallt. Schneide Äste immer knapp oberhalb dieses Wulsts ab, niemals bündig am Stamm und niemals mit langem Zapfen. Ein stehen gelassener Zapfen stirbt ab und öffnet Fäulnis den Weg in den Stamm, ein Schnitt in den Astring hinein zerstört das Überwallungsgewebe.
Bei einjährigen Trieben schneidest du etwa fünf Millimeter schräg oberhalb einer nach außen weisenden Knospe. Der leichte Winkel lässt Regen ablaufen, die Außenknospe lenkt den Neuaustrieb aus der Kronenmitte heraus. Dicke Äste sägst du in zwei Schritten: zuerst von unten einschneiden, dann von oben abtragen, damit die Rinde nicht einreißt.
Ableiten statt kappen: Wie bleibt die Krone im Gleichgewicht?
Ableiten bedeutet, einen zu dominanten Ast an einer Gabelung auf einen schwächeren, flacher wachsenden Seitentrieb zurückzuführen. Der Baum nimmt das als natürliche Führung wahr und reagiert kaum mit Wassertrieben. Kappen dagegen, also einen Ast mitten im Holz ohne Weiterleitung absäbeln, löst an der Schnittstelle einen Besen aus Steiltrieben aus.
Diese Technik ist die Königsdisziplin beim Apfelbaum richtig schneiden: Sie hält die Kronenhöhe im Griff, ohne die Wuchsbalance zu stören. Für das Auslichten im Inneren genügen die gleichen Werkzeuge wie beim Hecke richtig schneiden, eine gute Bypass-Schere und eine scharfe Astsäge.
Schärfe die Klingen vor dem Schnitttermin und desinfiziere sie mit Alkohol, besonders wenn du faules oder krebsbefallenes Holz entfernt hast. Saubere Schnitte heilen schneller und verhindern, dass du Krankheitserreger von Ast zu Ast trägst.
Wie schneidet man einen jungen Apfelbaum?
Einen jungen Apfelbaum schneidest du in drei Stufen: Pflanzschnitt beim Setzen, Erziehungsschnitt in den Folgejahren für das Kronengerüst und danach der Übergang in den jährlichen Erhaltungsschnitt. Ziel ist eine stabile, lichte Krone, die früh in die Ertragszeit kommt.
Pflanzschnitt
Wurzeln und Krone ins Gleichgewicht bringen, Mitteltrieb und Seitentriebe einkürzen.
Leitäste wählen
Drei bis vier Äste in weitem Winkel zum Stamm aussuchen, den Rest entfernen.
Konkurrenztriebe entfernen
Steile Triebe neben dem Mitteltrieb und nach innen Wachsendes herausschneiden.
Saftwaage halten
Alle Leitäste auf gleiche Länge bringen, damit kein Ast die anderen dominiert.
Fertig
Gerüst steht, ab jetzt genügt der jährliche Erhaltungsschnitt.
Pflanzschnitt: Was gleich nach dem Setzen passiert
Beim Pflanzen verliert der Baum Wurzelmasse, der Pflanzschnitt gleicht das aus. Kürze den Mitteltrieb und die Seitentriebe um etwa ein Drittel ein, immer oberhalb einer Außenknospe. Bei schwachen Baumwaren aus dem Container genügt oft ein leichter Eingriff, wurzelnackte Bäume vertragen den stärkeren Rückschnitt. Beschädigte und übers Kreuz wachsende Triebe entfernst du komplett.
Erziehungsschnitt: Pyramidenkrone oder Spindel aufbauen
Die Pyramidenkrone ist die klassische Form für Halbstämme und Hochstämme: ein zentraler Mitteltrieb, um den sich drei bis vier gleichmäßig verteilte Leitäste in Etagen legen. Wähle nur Äste mit einem Abzweigwinkel von mindestens 45 Grad zum Stamm, spitzwinklige Leitäste brechen später unter Erntelast. Zu steile Konkurrenten schneidest du heraus oder bindest sie in die Waagerechte.
Die Spindel ist die schlanke Form für schwachwüchsige Unterlagen wie M9 auf kleinen Gärten. Hier bleibt der Mitteltrieb dominant, die Seitentriebe werden nur gebogen und kaum geschnitten, weil jeder Winterschnitt das Wachstum anfeuern würde. Die wichtigste Arbeit an der Spindel ist deshalb der Sommerschnitt.
Wann wechselt der Jungbaum in den Erhaltungsschnitt?
Sobald das Gerüst steht und der Baum regelmäßig blüht, meist nach fünf bis acht Jahren, ist die Erziehung abgeschlossen. Ab dann genügt der jährliche Erhaltungsschnitt: nach innen wachsende Triebe, Wasserschosse, Totholz und sich kreuzende Äste entfernen, die Kronenhöhe durch Ableiten stabil halten. Weniger ist ab diesem Punkt mehr.
Alten Apfelbaum schneiden: Verjüngung statt Radikalkur
Einen alten Apfelbaum verjüngst du über zwei bis drei Jahre in kleinen Schritten, pro Jahr entfernst du höchstens etwa ein Viertel der Kronenmasse. Der radikale Rückschnitt auf den Stock schadet mehr als er nützt.
Kann man einen Apfelbaum radikal schneiden?
Technisch überleben viele Apfelbäume einen Radikalschnitt, gärtnerisch ist er trotzdem ein Fehler. Die Wurzel eines Altbaums versorgt weiter die volle Kronengröße, der Baum antwortet mit hunderten Wasserschossen, und die riesigen Schnittflächen im Altholz überwallen kaum noch. Nach einer solchen Kur hast du jahrelang keine Ernte und viel Nacharbeit.
Laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sollten pro Jahr nur 15 bis 30 Prozent der Kronenmasse entfernt werden. In der Praxis gehst du so vor: Erstes Jahr Totholz und die größten Steiltriebe raus, zweites Jahr die Krone über Ableiten senken, drittes Jahr fein auslichten. Danach reicht der normale Erhaltungsschnitt.
Streuobst erhalten: Förderung und ökologischer Wert
Alte Apfelbäume sind ökologisch wertvoll und der Erhalt lohnt sich doppelt. Nach NABU-Angaben sind in Deutschland nur noch etwa 250.000 bis 300.000 Hektar Streuobstbestände erhalten, in den 1950er Jahren waren es noch rund 1,5 Millionen Hektar. Auf Streuobstwiesen leben über 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, dazu kommen bis zu 6.000 verschiedene Obstsorten, darunter viele seltene Kultursorten. Wer alte Sorten schätzt, findet im Porträt alter Birnensorten eine gute Ergänzung zum eigenen Altbaum.
In Baden-Württemberg gibt es für den fachgerechten Schnitt großkroniger Streuobstbäume direktes Geld: Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fördert in der Periode 2026 bis 2028 den Schnitt mit 18 Euro pro Baum ab dem dritten Standjahr, Kommunen können den Satz um bis zu 10 Euro erhöhen. Sammelanträge sind für Bestände von 100 bis 1.000 Bäumen möglich. In anderen Bundesländern lohnt die Nachfrage bei der Naturschutzbehörde oder der Landwirtschaftskammer.
Ein gesunder, ausgewachsener Apfel-Hochstamm kann über 100 Jahre alt werden und trägt im Ertrag bis zu mehrere hundert Kilogramm Äpfel pro Saison. Alt werden solche Bäume allerdings nur mit regelmäßiger, behutsamer Schnittpflege statt seltener Radikalkuren.
Welche Fehler beim Apfelbaumschnitt kosten Ertrag?
Die teuersten Fehler sind Schnitte zum falschen Zeitpunkt, das Kappen tragender Äste und zu starke Eingriffe auf einmal. Fünf typische Irrtümer zeigen die Checkliste weiter unten.
Braucht eine Schnittwunde wirklich Wundbalsam?
Bei Wunden bis etwa drei Zentimeter Durchmesser ist Wundbalsam überflüssig, der Apfelbaum überwallt saubere Schnitte zuverlässig selbst. Großflächig aufgetragene Wundverschlussmittel können sogar schaden, weil sich darunter Feuchtigkeit staut und Fäulniserreger ideale Bedingungen finden. Nur bei sehr großen Sägeschnitten lohnt es sich, den Wundrand glatt zu schneiden und höchstens den Rand zu behandeln, die Fläche selbst bleibt offen.
Warum fördert zu starker Rückschnitt Wassertriebe?
Jeder Schnitt ins Holz löst an den schlafenden Knospen unterhalb der Schnittstelle Neuaustrieb aus, und zwar umso heftiger, je stärker der Eingriff. Wer einen Apfelbaum auf einen Schlag stark zurücknimmt, bekommt im selben Sommer einen Wald aus Wasserschossen. Diese weichen, nährstoffreichen Triebe sind zudem der Lieblingsfraß von Blattläusen: Statt Ertrag pflegst du dann eine Schädlingszucht. Beugen lässt sich dem mit moderaten Schnitten, und falls sich die Blattläuse doch breitmachen, hilft der Ratgeber zum Blattläuse bekämpfen mit sanften Methoden weiter.
✅ Die 5 teuersten Schnittfehler im Check
Fazit: Apfelbaum schneiden mit Plan und Augenmaß
Den Apfelbaum regelmäßig und mit Maß zu schneiden ist die wirksamste Pflegemaßnahme für gesunde, ertragreiche Bäume. Merke dir drei Kernregeln: Der Hauptschnitt gehört in den Spätwinter zwischen Ende Februar und Mitte März, ergänzt durch einen Sommerschnitt für Wasserschosse und Licht. Fruchtholz mit dicken Blütenknospen bleibt stehen, steile Wassertriebe kommen weg. Und junge Bäume werden konsequent erzogen, alte Bäume über zwei bis drei Jahre behutsam verjüngt statt radikal gekappt.
Achte zusätzlich auf die gesetzliche Schonzeit ab dem 1. März und auf brütende Vögel in der Krone. Dann steht dem Schnitttermin nichts im Weg: Schere schärfen, frostfreien Tag abwarten und Schritt für Schritt eine lichte, stabile Krone formen. Dein Apfelbaum dankt es dir mit Herbsternten, die sich sehen lassen können.
Februar bis Mitte März: Hauptschnitt, Auslichten, Verjüngen. Juni bis August: Wasserschosse ausreißen, Sommerschnitt. September bis Januar: Schere ruhen lassen. Ganzjährig: Nester prüfen, Totholz darf immer weg.
Steckbrief im Pflanzenlexikon
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Häufig gestellte Fragen
Quellen
- [1] Forum Verlag: Wann darf man Bäume schneiden?
- [2] Bundesnaturschutzgesetz § 39 (Gesetze im Internet)
- [3] Baumpflegeportal: Fällverbot und Schnittverbot
- [4] Statistisches Bundesamt (Destatis): Apfelernte 2026
- [5] NABU: Streuobstwissen, Bedeutung und Bestände
- [6] NABU: Streuobstwiesen und ihre Artenvielfalt
- [7] MLR Baden-Württemberg: Baumschnittförderung 2026 bis 2028
- [8] LWG Bayern: Obstbaumschnitt und Schnittstärke
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Michael Törner
Gartenexperte und Hobbygärtner
Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.
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