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🌸 Zierpflanzen

Lavendel

Lavandula angustifolia

4 Min. Lesezeit
Ausgewachsener Lavendelbusch in voller Blüte mit violetten Blütenähren im Gartenbeet

Steckbrief

☀️
Licht
Sonnig
💧
Wasser
Gering
🌱
Nährstoffe
Gering
🧑‍🌾
Pflege
Einfach
Botanischer Name Lavandula angustifolia
Familie Lippenblütler (Lamiaceae)
Herkunft Westliches Mittelmeergebiet, Pyrenäen
Wuchshöhe 30-80 cm
Wuchsform Buschig
Lebensdauer Mehrjährig
Winterhärte 5b
Giftigkeit Ungiftig
Blütezeit Juni, Juli, August (violett)
Pflanzabstand 30-50 cm
Vermehrung Stecklinge, Teilung

Beschreibung & Herkunft

Lavendel stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum, wo er auf kargen Kalkfelsen und trockenen Hängen der Pyrenäen und der Provence wächst. Lavandula angustifolia – der Echte Lavendel – ist die robusteste und winterhärteste Art der Gattung und die mit Abstand am häufigsten kultivierte.

Der Strauch bildet schmale, graugrüne Blätter, die das ganze Jahr über am Busch bleiben. Im Sommer treiben lange Blütenstiele auf, die von violetten Ähren gekrönt werden. Der charakteristische Duft kommt aus ätherischen Ölen in Blättern und Blüten – er ist nicht nur angenehm, sondern auch der Grund, warum Insekten den Lavendel so schätzen. Ein gut gepflegter Busch lebt problemlos 10–15 Jahre.

Standort & Boden

Lavendel braucht viel direktes Sonnenlicht – mindestens 6 Stunden täglich, gerne mehr. Halbschatten führt zu schwachem Wuchs und deutlich weniger Blüten. Windexponierte Lagen sind kein Problem, im Gegenteil: gute Luftzirkulation beugt Pilzkrankheiten vor.

Der Boden sollte durchlässig, mager und eher kalkhaltig sein. Schwere Lehmböden sind das größte Problem: Sie halten Wasser, und Staunässe tötet Lavendel zuverlässig – im Winter noch schneller als im Sommer. Wer schweren Boden hat, arbeitet vor dem Pflanzen großzügig Kies oder Sand ein oder legt ein Hochbeet an. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 6,5 und 8,0. Auf keinen Fall Kompost oder Dünger in die Pflanzgrube geben – Lavendel kommt aus dem Nichts und soll dort auch bleiben.

Pflanzung & Vermehrung

Der beste Pflanzzeitpunkt ist das Frühjahr (April/Mai), wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind. Herbstpflanzungen sind möglich, aber riskanter – der Lavendel hat dann weniger Zeit zum Einwurzeln vor dem Winter.

Pflanzabstand: 30–50 cm je nach Sorte. Beim Einpflanzen den Wurzelballen nicht zu tief setzen – die Basis des Strauchs sollte auf Bodenniveau liegen, nicht darunter. Eine Lage Kies oder Split direkt um den Stamm verhindert, dass die Basis dauerhaft feucht bleibt.

Für die Vermehrung eignen sich Stecklinge am besten: Im Juni oder Juli 8–10 cm lange, nicht verholzte Triebspitzen schneiden, die unteren Blätter entfernen und in mageres Anzuchtsubstrat stecken. Bei Raumtemperatur und heller Lage bewurzeln sie in 4–6 Wochen. Teilung älterer Büsche ist möglich, aber oft weniger erfolgreich als Stecklinge.

Pflege

Gießen: Eingewurzelte Lavendelpflanzen kommen mit natürlichen Niederschlägen gut zurecht. Nur in langen Trockenperioden gießen – und dann lieber einmal gründlich als häufig wenig. Kübelpflanzen brauchen regelmäßigeres Gießen, aber auch hier gilt: zwischen den Wassergaben gut abtrocknen lassen.

Düngen: Nicht nötig und kontraproduktiv. Zu viele Nährstoffe fördern üppiges Blattwachstum auf Kosten der Blüten und machen den Busch anfälliger für Krankheiten und Frostschäden.

Schnitt: Das Wichtigste bei der Lavendelpflege. Im Frühjahr, wenn die ersten grünen Triebe erscheinen, wird der Busch um etwa ein Drittel zurückgeschnitten – ins grüne Holz, niemals ins alte verholzte. Nach der Blüte im August/September nochmals schneiden, um die Form zu erhalten und den Verholzungsprozess zu verlangsamen. Wer den Frühjahrsschnitt über Jahre vernachlässigt, bekommt einen auseinanderfallenden, kaum noch blühenden Busch, der sich kaum noch retten lässt.

Krankheiten & Schädlinge

Lavendel ist erfreulich robust. Die meisten Probleme entstehen durch falsche Standort- oder Bodenverhältnisse, nicht durch Schädlingsbefall.

Grauschimmel (Botrytis): Entsteht bei feuchter Witterung und schlechter Luftzirkulation. Befallene Triebe werden grau und sterben ab. Befallene Pflanzenteile sofort entfernen, Pflanzabstände einhalten und auf gute Drainage achten.

Lavendelzikade (Eupteryx decemnotata): Kleine Insekten, die Blattflecken und Wachstumsschwäche verursachen. Bei starkem Befall mit Kaliseife behandeln. In gesunden, sonnigen Standorten selten ein ernstes Problem.

Wurzelfäule: Keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern die Folge von Staunässe. Die Pflanze welkt trotz ausreichend Wasser, die Basis fault. Einzige Lösung: Standort verbessern oder Pflanze aufgeben. Vorbeugung durch durchlässigen Boden ist entscheidend.

Beliebte Sorten

Hidcote Blue: Kompakter, dichter Wuchs bis 40 cm, tiefviolette Blüten. Sehr winterhart und formstabil – ideal für Einfassungen und kleinere Gärten.

Munstead: Ebenfalls kompakt (30–40 cm), etwas hellere Blütenfarbe, früher Blühbeginn. Eine der bewährtesten Sorten für das deutsche Klima.

Vera: Großwüchsiger (bis 80 cm), besonders reich an ätherischen Ölen. Wird kommerziell für die Ölgewinnung angebaut, im Garten ein beeindruckender Blickfang.

Grosso: Lavandin-Hybride (Lavandula × intermedia), sehr robust und ertragreich, aber etwas weniger winterhart als reiner Angustifolia. Lange Blütenstiele, kräftiger Duft.

Imperial Gem: Mittelgroß, dunkelviolett, gute Widerstandsfähigkeit. Bewährt sich auch in feuchteren Lagen besser als manche anderen Sorten.

Häufige Probleme & Tipps

Der häufigste Fehler ist zu guter Boden. Wer Lavendel in frisch gedüngte, humusreiche Beete pflanzt, bekommt zwar zunächst üppiges Wachstum, aber kaum Blüten und einen kurzlebigen Busch. Lavendel muss leiden dürfen.

Zweiter klassischer Fehler: den Schnitt weglassen, weil man die Blüten schön findet. Ein Lavendel ohne regelmäßigen Rückschnitt verholzt innerhalb weniger Jahre so stark, dass er kaum noch blüht und sich nicht mehr verjüngen lässt.

Praktischer Tipp für die Ernte: Blütenstiele schneiden, wenn etwa die Hälfte der Blüten geöffnet ist – dann ist der Duft am intensivsten und die Blüten fallen beim Trocknen nicht ab. Einfach zu kleinen Bündeln zusammenbinden und kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort trocknen.

Lavendel – Infografik

Tags

Zierpflanzen Duftpflanzen Bienenpflanze Mediterraner Garten

Häufig gestellte Fragen

Quellen

MT

Michael Törner

Gartenexperte und Hobbygärtner

Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.

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