Kohlrabi
Brassica oleracea var. gongylodes
Steckbrief
| Botanischer Name | Brassica oleracea var. gongylodes |
| Familie | Kreuzblütler (Brassicaceae) |
| Herkunft | Mittelmeerraum (Kulturform aus Mitteleuropa) |
| Wuchshöhe | 30-50 cm |
| Wuchsform | Aufrecht |
| Lebensdauer | Einjährig |
| Winterhärte | nicht winterhart |
| Giftigkeit | Ungiftig |
| Blütezeit | Mai, Juni (gelb) |
| Erntezeit | Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober |
| Vorkultur | Februar-April |
| Direktsaat | April-Juli |
| Keimtemperatur | 15-20 °C |
| Pflanzabstand | 25-30 cm |
| Saattiefe | 1-2 cm |
| Vermehrung | Samen |
| Fruchtfolge | 4 Jahre Anbaupause |
Beschreibung & Herkunft
Kohlrabi ist eine Kulturform des Gemüsekohls (Brassica oleracea) und gehört zur Familie der Kreuzblütler. Das Besondere: Gegessen wird nicht das Blatt, sondern die oberirdisch wachsende, verdickte Sprossachse – die typische runde Knolle direkt über dem Boden.
Anders als die meisten Kohlarten stammt Kohlrabi nicht aus dem Mittelmeerraum, sondern wurde im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa aus dem Wildkohl gezüchtet. Bis heute ist er vor allem in Deutschland, Österreich und Osteuropa beliebt – im englischsprachigen Raum heißt er deshalb auch “German Turnip”.
Du erkennst Kohlrabi an der knubbeligen, je nach Sorte weißgrünen oder violetten Knolle, aus der lange Blattstiele mit blaugrünen, leicht gewellten Blättern wachsen. Die jungen Blätter sind übrigens essbar und schmecken wie milder Spinat – eine gute Alternative zur klassischen Knolle.
Standort & Boden
Kohlrabi mag es sonnig bis leicht halbschattig und braucht einen lockeren, humosen Boden mit guter Wasserspeicherfähigkeit. Der ideale pH-Wert liegt zwischen 6,5 und 7,5 – auf sauren Böden gedeiht er schlecht und ist anfälliger für Kohlhernie.
Schwere, verdichtete Böden mag Kohlrabi gar nicht. Lockere den Boden vor der Pflanzung gründlich auf 20-25 cm Tiefe und arbeite reifen Kompost ein (2-3 Liter pro Quadratmeter). Auf sandigen Böden hilft eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh, die Feuchtigkeit zu halten.
Ein häufiger Fehler: zu trockener Standort. Kohlrabi reagiert auf Wassermangel mit holzigen, faserigen Knollen. Auch zu viel Schatten ist problematisch – die Pflanzen schießen dann in die Höhe und bilden kaum Knollen. Im Hochbeet wächst Kohlrabi besonders gut, weil dort Boden und Wasserversorgung leicht zu kontrollieren sind.
Pflanze Kohlrabi nicht zu tief – das Herz der Pflanze muss frei über der Erde bleiben, sonst bildet sich keine Knolle, sondern nur Blattmasse.
Aussaat & Pflanzung
Für eine durchgehende Ernte säst du Kohlrabi gestaffelt im Abstand von 3-4 Wochen aus. Frühe Sorten kannst du ab Mitte Februar in Anzuchtschalen auf der Fensterbank vorziehen, ab April direkt ins Freiland säen.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Vorkultur (Februar-April): Samen 1 cm tief in Anzuchterde säen, bei 15-20 °C keimen lassen (5-7 Tage).
- Pikieren: Sobald sich die ersten echten Blätter zeigen, in 6-cm-Töpfe vereinzeln.
- Auspflanzen: Nach 4-6 Wochen ins Freiland setzen – Pflanzabstand 25-30 cm, Reihenabstand 30 cm.
- Direktsaat (April-Juli): Direkt ins Beet säen, 1-2 cm tief, später auf 25 cm vereinzeln.
Wichtig: Pflanze die Jungpflanzen nicht tiefer als sie im Anzuchttopf standen. Wird das Herzblatt verschüttet, bildet die Pflanze keine Knolle. Für eine Herbsternte säst du noch bis Mitte Juli – die letzten Sätze werden im Oktober erntereif.
Pflege
Die wichtigste Pflegemaßnahme bei Kohlrabi ist gleichmäßiges Gießen. Schwankt die Wasserversorgung, platzen die Knollen auf oder werden holzig. Wässere bei trockenem Wetter alle 2-3 Tage durchdringend – lieber seltener und dafür gründlich als täglich oberflächlich. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt hält die Feuchtigkeit länger im Boden.
Beim Düngen ist Kohlrabi ein Mittelzehrer und braucht weniger als seine größeren Kohlverwandten. Eine Grunddüngung mit reifem Kompost zur Pflanzung reicht meist aus. Bei langsamem Wachstum kannst du nach 4-6 Wochen mit verdünnter Brennnesseljauche (1:10) oder organischem Gemüsedünger nachhelfen. Vermeide stickstoffbetonten Mineraldünger – das fördert Blattwachstum statt Knollenbildung.
Hacke regelmäßig zwischen den Pflanzen, um Unkraut zu entfernen und den Boden zu lockern. Anhäufeln ist nicht nötig und sogar schädlich, weil die Knolle frei über der Erde wachsen muss.
| Zeitraum | Pflegemaßnahme |
|---|---|
| Nach Pflanzung | Angießen, Mulchen, Schutznetz gegen Kohlfliege |
| Woche 2-4 | Regelmäßig hacken, gleichmäßig gießen |
| Woche 4-6 | Bei Bedarf nachdüngen (Brennnesseljauche) |
| Ab Knollenbildung | Konstante Wasserversorgung, Erntereife prüfen |
Im Topf (mindestens 20 cm tief, 5 Liter Volumen pro Pflanze) musst du häufiger gießen und nach 4 Wochen unbedingt nachdüngen, da der begrenzte Erdraum schneller ausgelaugt ist.
Ernte & Verwendung
Geerntet wird Kohlrabi, sobald die Knolle Tennisball- bis Faustgröße erreicht hat (7-10 cm Durchmesser). Bei den meisten Sorten ist das nach 8-14 Wochen der Fall. Wartest du zu lange, wird das Fleisch holzig und faserig – Ausnahme ist die Riesensorte ‘Superschmelz’, die auch bei 20 cm Durchmesser zart bleibt.
Schneide die Knolle mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden ab. Die jungen Herzblätter kannst du gleich mit verwenden – sie schmecken wie Spinat. Frisch hält sich Kohlrabi im Gemüsefach des Kühlschranks 1-2 Wochen. Für längere Lagerung schneide das Laub ab und wickle die Knolle in feuchtes Küchenpapier. Geschält und in Würfel geschnitten lässt er sich auch problemlos einfrieren (vorher 2 Minuten blanchieren).
In der Küche ist Kohlrabi vielseitig: roh in Scheiben mit Salz und Pfeffer als Snack, in feinen Stiften im Salat, gedünstet als Beilage oder paniert als vegetarisches Schnitzel. Die Blätter ergeben ein leckeres Pesto.
Mischkultur & Fruchtfolge
Kohlrabi verträgt sich besonders gut mit Salat, Radieschen, Spinat, Buschbohnen und Gurken. Salat und Radieschen wachsen schnell zwischen den jungen Kohlrabipflanzen und sind geerntet, bevor diese den Platz brauchen. Buschbohnen reichern den Boden mit Stickstoff an und vertreiben durch ihren Duft die Erdflöhe. Auch Petersilie als Beetrand-Bepflanzung hat sich bewährt.
Schlecht harmoniert Kohlrabi mit anderen Kohlgewächsen wie Brokkoli, Blumenkohl oder Rosenkohl – sie haben dieselben Krankheiten und Schädlinge und konkurrieren um Nährstoffe. Auch Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch sind ungünstige Nachbarn.
Bei der Fruchtfolge gilt: mindestens 4 Jahre Pause auf demselben Beet, sonst droht Kohlhernie. Nach Kohlrabi wachsen Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen), Kürbisgewächse oder Wurzelgemüse hervorragend, weil sie andere Nährstoffansprüche haben und den Boden anders durchwurzeln.
Krankheiten & Schaedlinge
Die größte Bedrohung für Kohlrabi ist die Kohlhernie – eine Pilzkrankheit, die zu knotigen Wucherungen an den Wurzeln führt. Die Pflanzen welken und sterben ab. Vorbeugen ist die einzige wirksame Maßnahme: 4-Jahres-Fruchtfolge einhalten, Boden bei Bedarf kalken (pH > 7), befallene Pflanzen sofort entfernen und im Hausmüll entsorgen.
Die Kohlfliege legt ihre Eier am Wurzelhals ab, die Larven fressen die Wurzeln. Folge: kümmerlicher Wuchs und kippelnde Pflanzen. Schutz bietet ein engmaschiges Kulturschutznetz (0,8 mm Maschenweite) direkt nach der Pflanzung – das ist die wirksamste Methode überhaupt und ersetzt jede Spritzmittelbehandlung.
Erdflöhe sind kleine schwarze Käfer, die unregelmäßige Löcher in die Blätter fressen. Sie lieben Trockenheit – regelmäßiges Gießen, Mulchen und das Auspflanzen kräftiger Jungpflanzen statt Direktsaat reduzieren den Befall deutlich.
Bei Kohlweißlingsraupen hilft regelmäßiges Absammeln der grünen Raupen oder das Schutznetz. Bei starkem Befall ist Bacillus thuringiensis (biologisches Mittel) zugelassen.
Kohlhernie-Sporen bleiben bis zu 20 Jahre im Boden aktiv. Auf befallenen Flächen darfst du keine Kreuzblütler mehr anbauen – das gilt auch für Radieschen, Senf und Rucola.
Beliebte Sorten
Die Sortenwahl entscheidet über Geschmack, Erntezeit und Robustheit. Hier vier bewährte Empfehlungen:
| Sorte | Farbe | Besonderheit | Empfehlung für |
|---|---|---|---|
| ’Lanro’ | weißgrün | platzfest, zart, früh | Frühjahrsanbau, Anfänger |
| ’Noriko’ | weißgrün | sehr platzfest, robust | Hauptkultur, Hochbeet |
| ’Azur Star’ | violett | dekorativ, mild-süß | Gemischter Anbau, Optik |
| ’Superschmelz’ | weißgrün | wird bis 8 kg schwer, bleibt zart | Herbsternte, Lagerung |
| ’Blaril’ | violett | spät schießend, kräftig | Sommer- und Herbstanbau |
| ’Kolibri F1’ | violett | sehr früh, gleichmäßig | Vorkultur, Gewächshaus |
Für Anfänger ist ‘Lanro’ ideal – die Sorte wächst zuverlässig, platzt selten auf und schmeckt mild. Wer auf Optik im Beet Wert legt, kombiniert sie mit der violetten ‘Azur Star’. ‘Superschmelz’ ist die Geheimwaffe für den Herbst: Eine einzige Knolle reicht für die ganze Familie und bleibt erstaunlich zart.
Haeufige Probleme & Tipps
Die meisten Kohlrabi-Probleme entstehen durch drei Anfängerfehler: zu tief gepflanzt, zu unregelmäßig gegossen und kein Schutznetz verwendet. Wer diese drei Punkte beachtet, erntet fast garantiert schöne Knollen.
Wichtige Praxis-Tipps:
- Gestaffelt aussäen: Säe alle 3-4 Wochen einen neuen Satz von April bis Juli. So hast du den ganzen Sommer frische Kohlrabi, statt 20 Stück gleichzeitig ernten zu müssen.
- Schutznetz von Anfang an: Lege das Netz direkt nach der Pflanzung auf – nicht erst, wenn du Schädlinge siehst. Dann ist es zu spät.
- Nicht zu spät ernten: Lieber eine Woche zu früh als eine zu spät. Holzige Knollen lassen sich nicht mehr retten.
- Blätter mitverwenden: Die jungen Herzblätter sind eine kostenlose Spinat-Alternative – einfach kurz blanchieren oder in Pesto verarbeiten.
Saisonal beachten: Im Hochsommer (Juli/August) bei großer Hitze schießt Kohlrabi schnell in die Blüte. Pflanze in dieser Zeit nur hitzeresistente Sorten wie ‘Blaril’ oder pausiere die Aussaat von Mitte Juni bis Mitte Juli. Im Herbst schützt ein Vlies die letzten Knollen vor frühen Frösten und verlängert die Ernte bis in den November.

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Häufig gestellte Fragen
Quellen
Michael Törner
Gartenexperte und Hobbygärtner
Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.
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