🥕 Gemüse

Wirsing

Brassica oleracea var. sabauda

(aktualisiert: ) 6 Min. Lesezeit
Wirsingpflanze mit festem, gekraustem Kopf im Gemüsebeet
KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Standort: Sonnig, tiefgründiger und humoser Boden mit pH 6,5-7,5.
  • Pflanzung: Auspflanzen ab Mai mit 40-50 cm Abstand, tief und schräg einsetzen.
  • Gießen: Gleichmäßig feucht halten, Staunässe und Trockenstress unbedingt vermeiden.
  • Ernte: Ab September bis in den Dezember, Frost macht die Blätter aromatischer.
  • Häufigster Fehler: Kohlhernie durch zu enge Fruchtfolge, 4 Jahre Anbaupause einhalten.

Steckbrief

☀️
Licht
Sonnig
💧
Wasser
Mittel
🌱
Nährstoffe
Hoch
🧑‍🌾
Pflege
Einfach
Botanischer Name Brassica oleracea var. sabauda
Familie Kreuzblütler (Brassicaceae)
Herkunft Mittelmeerraum
Wuchshöhe 30-50 cm
Wuchsform Rosettenbildend
Lebensdauer Einjährig
Winterhärte 7
Giftigkeit Ungiftig
Blütezeit Juni, Juli (gelb)
Erntezeit September, Oktober, November, Dezember
Vorkultur April-Mai
Direktsaat Mai-Juni
Keimtemperatur 15-20 °C
Pflanzabstand 40-50 cm · Wie viele passen ins Beet?
Saattiefe 0.5-1 cm
Vermehrung Samen
Fruchtfolge 4 Jahre Anbaupause

Pflegekalender

Pflegekalender Wirsing: Welche Arbeiten in welchem Monat anstehen
ArbeitJFMAMJJASOND
Vorkultur: April bis Mai
Direktsaat: Mai bis Juni
Pflanzung: Mai bis Juli
Blüte: Juni bis Juli
Düngen: Juni bis September
Ernte: September bis Dezember

Beschreibung & Herkunft

Wirsing (Brassica oleracea var. sabauda) ist ein klassisches Herbst- und Wintergemüse und gehört wie Grünkohl, Brokkoli und Kohlrabi zur Art Brassica oleracea. Seine Heimat liegt im Mittelmeerraum, von dort aus verbreitete er sich seit dem Mittelalter über ganz Europa und gehört heute zu den wichtigsten Kohlsorten in Mitteleuropa.

Unverwechselbar sind die stark gekrausten, blasig gerunzelten Blätter, die einen losen bis festen, ovalen Kopf bilden. Je nach Sorte reicht die Färbung von gelbgrün innen bis dunkelgrün außen. Die Pflanzen werden 30 bis 50 cm hoch und erreichen Kopfgewichte von 1 bis 2,5 kg. Im Geschmack ist Wirsing milder und feiner als Weißkohl, die zarten Blätter garen deutlich schneller.

Standort & Boden

Wirsing gedeiht am besten an einem sonnigen Standort mit tiefgründigem, humosem Boden. Der pH-Wert sollte zwischen 6,5 und 7,5 liegen, bei sauren Böden hilft eine Kalkgabe im Herbst vor der Pflanzung.

Als Starkzehrer braucht Wirsing einen nährstoffreichen Boden. Arbeite vor dem Pflanzen 3 bis 4 kg reifen Kompost pro Quadratmeter ein. Leichte Sandböden eignen sich weniger, weil sie Wasser und Nährstoffe schlecht halten. Verbessere sie mit Kompost und etwas Tonmehl.

Ein typischer Fehler ist ein Standort, an dem in den letzten Jahren schon Kohl gewachsen ist. Dadurch steigt das Risiko für die Kohlhernie, eine bodenbürtige Krankheit. Halte unbedingt eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren ein.

Aussaat & Pflanzung

Ziehe Wirsing von April bis Mai im Haus oder Kaltbeet vor, die Direktsaat ins Freiland ist von Mai bis Juni möglich. So geht es Schritt für Schritt:

  1. Vorkultur (April-Mai): Säe die Samen 0,5 bis 1 cm tief in Anzuchterde. Bei 15 bis 20 °C keimen sie innerhalb von 7 bis 10 Tagen.
  2. Pikieren: Vereinzele die Keimlinge nach dem ersten echten Blattpaar in einzelne Töpfe.
  3. Abhärten: Gewöhne die Jungpflanzen eine Woche vor dem Auspflanzen tagsüber an die Außentemperaturen.
  4. Auspflanzen (Mai-Juli): Setze die Pflanzen mit 40 bis 50 cm Abstand in der Reihe und 50 cm Reihenabstand. Pflanze sie tief bis zu den Keimblättern und leicht schräg, das gibt mehr Stabilität.
  5. Angießen: Wässere die Jungpflanzen kräftig an und halte sie in den ersten zwei Wochen gleichmäßig feucht.

Späte Pflanzungen bis Anfang Juli liefern noch im November und Dezember erntereife Köpfe.

Pflege

Wirsing ist pflegeleicht, wenn zwei Dinge stimmen: gleichmäßige Wasserversorgung und ausreichend Stickstoff.

  • Gießen: Halte den Boden durchgehend leicht feucht. Trockenstress führt zu kleinen, lockeren Köpfen und erhöht die Anfälligkeit für Schädlinge. Gieße morgens direkt an die Wurzel, nicht über die Blätter.
  • Mulchen: Eine Schicht Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt Unkraut.
  • Düngen: Wirsing ist ein Starkzehrer. Dünge von Juni bis September alle 2 bis 3 Wochen mit Brennnesseljauche oder einem organischen Gemüsedünger. Ab Oktober nicht mehr düngen, damit die Köpfe lagerfähig bleiben.
  • Häufeln: Häufle die Pflanzen im Hochsommer leicht an, das verbessert die Standfestigkeit der Köpfe.

Im Topf gelingt der Anbau in Kübeln ab 25 Litern Volumen. Hier musst du deutlich häufiger gießen und wöchentlich düngen, weil das Nährstoffangebot begrenzt ist.

Ernte & Verwendung

Geerntet wird von September bis Dezember, sobald die Köpfe fest geschlossen sind und beim Druck kaum nachgeben. Frühe Sorten sind nach etwa 90 Tagen reif, späte Sorten brauchen bis zu 120 Tage.

Leichter Frost schadet nicht, im Gegenteil: Er wandelt Stärke in Zucker um und macht die Blätter milder. Bei Frost unter minus 5 Grad solltest du die Köpfe ernten oder mit Vlies schützen. Schneide den Kopf mit einem scharfen Messer direkt unter dem Strunk ab.

Frisch hält sich Wirsing im Kühlschrank etwa eine Woche. Länger lagerbar ist er im kühlen Keller bei 0 bis 4 °C, dort bleibt er 2 bis 3 Wochen frisch. Zum Einfrieren die Blätter 2 Minuten blanchieren, abschrecken und portionsweise einfrieren. In der Küche eignet sich Wirsing für Eintöpfe, gedünstet als Beilage, als Füllung für Wirsingrouladen oder fein geschnitten als Rohkostsalat.

💡
Praxis-Tipp

Ernte nicht den ganzen Kopf auf einmal. Zupfe zuerst die äußeren Blätter ab, der Rest wächst weiter und bleibt am Stock frisch.

Mischkultur & Fruchtfolge

Wirsing verträgt sich gut mit Pflanzen, die andere Nährstoffansprüche haben oder Schädlinge fernhalten. Gute Nachbarn sind Salat als schnelle Vor- und Nachkultur, Erbsen und Bohnen, die Stickstoff im Boden anreichern, sowie Kartoffeln, Sellerie und Spinat.

Schlechte Nachbarn sind alle anderen Kohlarten wie Brokkoli, Grünkohl und Kohlrabi, weil sie die gleichen Krankheiten und Schädlinge anziehen. Auch Zwiebeln und Knoblauch direkt daneben hemmen das Wachstum.

Halte nach Wirsing eine Anbaupause von 4 Jahren für alle Kreuzblütler ein. Als Nachkultur eignen sich Salat, Spinat oder eine Gründüngung mit Phacelia, die den Boden lockert und Nährstoffe bindet.

Krankheiten & Schädlinge

Die größten Probleme beim Wirsinganbau sind Kohlhernie, Kohlweißling und Blattläuse. Vorsorge ist hier wirksamer als jede Bekämpfung.

ProblemErkennungsmerkmaleGegenmaßnahmen
KohlhernieKlobige Wurzelverdickungen, Welken4 Jahre Anbaupause, Kalkgabe, widerstandsfähige Sorten
KohlweißlingGrüne Raupen, FraßlöcherKulturschutznetz, Raupen absammeln, Spritzmittel mit Bacillus thuringiensis
BlattläuseGekräuselte Blätter, klebriger BelagStarker Wasserstrahl, Nützlinge fördern, Brennnesselsud
KohlfliegeAbsterben junger PflanzenGemüsefliesen oder Netz direkt nach dem Pflanzen

Das wichtigste Mittel gegen Raupen und Fliegen ist ein feinmaschiges Kulturschutznetz, das du direkt nach dem Auspflanzen über das Beet spannst. Es hält die Falter von der Eiablage ab und macht spätere Spritzungen überflüssig.

Beliebte Sorten

SorteBesonderheitEmpfehlung für
VertusSpäte, sehr frostharte Sorte mit großen KöpfenErnte bis Dezember
Wirosa F1Robust, gute Kohlhernie-ToleranzProblemböden
Famosa F1Früh reifend, feste dunkle KöpfeAnfänger, erste Ernte ab September
SabrosaKompakte Köpfe, ideal für kleine BeeteKleingärten und Hochbeete

Für Einsteiger ist Famosa F1 die beste Wahl: Sie wächst schnell, bildet zuverlässig feste Köpfe und ist weniger anfällig für Platzen nach Regenfällen.

Häufige Probleme & Tipps

Der häufigste Fehler ist eine zu enge Fruchtfolge. Wer Wirsing auf ein Beet setzt, auf dem im Vorjahr schon Kohl stand, riskiert Kohlhernie und schwache Pflanzen. Notiere dir deine Beetbelegung, am einfachsten in einem Gartenkalender.

Weitere Praxis-Tipps aus Erfahrung:

  • Nicht zu früh auspflanzen: Junge Wirsingpflanzen sind frostempfindlich. Warte mit dem Auspflanzen, bis keine späten Fröste mehr drohen, in den meisten Regionen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai.
  • Netz sofort spannen: Wer das Kulturschutznetz erst anlegt, wenn Raupen sichtbar sind, kommt zu spät. Die Falter legen ihre Eier oft schon Tage nach dem Pflanzen ab.
  • Gleichmäßig gießen: Wechsel zwischen Trockenheit und Nässe lässt die Köpfe platzen. Mulch gleicht Schwankungen aus.
  • Frost nutzen: Lasse die Köpfe ruhig ein bis zwei Frostnächte am Stock stehen, der Geschmack wird deutlich milder und süßer.
Wirsing: Infografik
KI-generiert

Häufig gestellte Fragen

MT

Michael Törner

Gartenexperte und Hobbygärtner

Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.

Mehr über mich

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell überprüft. Enthaltene Bilder wurden mittels KI generiert. Mehr erfahren