Erbse
Pisum sativum
Das Wichtigste in Kürze
- Aussaat: Palerbsen ab Mitte März, Mark- und Zuckererbsen ab Anfang April direkt ins Beet, 3-5 cm tief.
- Standort: Sonnig und luftig mit mindestens sechs Stunden Sonne, lockerer Boden mit pH-Wert 6 bis 7,5.
- Rankhilfe: Direkt bei der Aussaat setzen, hohe Sorten bis 2 m brauchen ein stabiles Netz oder Maschendraht.
- Gießen & Düngen: Ab der Blüte bei Trockenheit ein- bis zweimal pro Woche 10-15 l/m² gießen, Düngen ist überflüssig.
- Häufigster Fehler: Zu späte Aussaat, Erbsen, die erst im Juni in den Boden kommen, leiden unter Hitze, Mehltau und Erbsenwickler.
Steckbrief
| Botanischer Name | Pisum sativum |
| Familie | Hülsenfrüchtler (Fabaceae) |
| Herkunft | Vorderasien und östlicher Mittelmeerraum |
| Wuchshöhe | 40-200 cm |
| Wuchsform | Kletternd |
| Lebensdauer | Einjährig |
| Winterhärte | nicht winterhart |
| Giftigkeit | Ungiftig |
| Blütezeit | Mai, Juni, Juli (weiß) |
| Erntezeit | Juni, Juli, August |
| Vorkultur | Februar-März |
| Direktsaat | März-Juni |
| Keimtemperatur | 8-15 °C |
| Pflanzabstand | 3-5 cm · Wie viele passen ins Beet? |
| Saattiefe | 3-5 cm |
| Vermehrung | Samen |
| Fruchtfolge | 4 Jahre Anbaupause |
Pflegekalender
| Arbeit | JJan | FFeb | MMär | AApr | MMai | JJun | JJul | AAug | SSep | OOkt | NNov | DDez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Vorkultur: Februar bis März | ||||||||||||
| Direktsaat: März bis Juni | ||||||||||||
| Pflanzung: März | ||||||||||||
| Blüte: Mai bis Juli | ||||||||||||
| Ernte: Juni bis August |
Beschreibung & Herkunft
Die Erbse ist ein einjähriger Hülsenfrüchtler, der mit Blattranken klettert und über Knöllchenbakterien an den Wurzeln seinen eigenen Stickstoff produziert. Damit gehört sie zu den wenigen Gemüsearten, die den Boden nach der Ernte nährstoffreicher hinterlassen als vorher.
Ursprünglich stammt Pisum sativum aus Vorderasien und dem östlichen Mittelmeerraum. Funde aus dem Fruchtbaren Halbmond belegen den Anbau vor rund 9.000 Jahren. In Mitteleuropa war die getrocknete Erbse jahrhundertelang ein Grundnahrungsmittel, die frisch gepflückte grüne Erbse kam erst im 17. Jahrhundert in Mode.
Du erkennst die Pflanze an den paarig gefiederten, blaugrünen Blättern, deren Spitzen in feine Ranken auslaufen, und an den großen Nebenblättern am Stängelansatz. Die Blüten sind typische Schmetterlingsblüten, meist weiß, bei Kapuzinererbsen violett. Gärtnerisch unterscheidet man drei Gruppen:
- Palerbsen: glatte, runde Samen, robust, früh säbar, stärkehaltig
- Markerbsen: runzlige Samen, deutlich süßer, etwas kälteempfindlicher
- Zuckererbsen (Kefen): Hülsen ohne Pergamentschicht, komplett essbar
Standort & Boden
Erbsen brauchen einen sonnigen, luftigen Standort mit lockerem, humosem Boden und einem pH-Wert zwischen 6 und 7,5. Mindestens sechs Stunden Sonne täglich sorgen für kräftigen Hülsenansatz; im Halbschatten wachsen die Pflanzen zwar, tragen aber spürbar weniger.
Ein leicht windiger Platz ist sogar von Vorteil, weil die Blätter schneller abtrocknen und Mehltau weniger Chancen hat. Hohe Sorten solltest du allerdings nicht an völlig ungeschützte Stellen setzen, sonst reißt ein Sommergewitter das beladene Rankgitter um.
Beim Boden gilt: locker, tiefgründig und gut drainiert. In verdichteter, kalter Erde faulen die Samen, bevor sie keimen. Schwere Lehmböden verbesserst du im Herbst mit Sand und Kompost. Frischer Mist oder stickstoffreicher Dünger haben im Erbsenbeet nichts verloren: Er hemmt die Knöllchenbakterien.
Typische Standortfehler:
- Staunässe: führt zu Fußkrankheiten und Wurzelfäule
- Zu viel Stickstoff: üppiges Laub, kaum Hülsen
- Beet vom Vorjahr: Erbsen auf Flächen, auf denen in den letzten vier Jahren Hülsenfrüchte standen, kümmern häufig
Im Hochbeet klappt der Erbsenanbau gut, idealerweise im zweiten oder dritten Jahr, wenn die Füllung nicht mehr so nährstoffreich ist.
Aussaat & Pflanzung
Erbsen säst du direkt ins Freiland: Palerbsen ab Mitte März, Mark- und Zuckererbsen ab Anfang April. Palerbsen keimen schon bei 5 °C Bodentemperatur und vertragen Nachtfröste bis etwa -5 °C. Markerbsen brauchen eher 8-10 °C, sonst faulen die runzligen Samen.
So gehst du vor:
- Samen einweichen: 12 Stunden in lauwarmem Wasser beschleunigt die Keimung um mehrere Tage.
- Rille ziehen: 3-5 cm tief, bei Doppelreihen 15-20 cm Abstand zwischen den beiden Reihen.
- Säen: Alle 3-5 cm ein Korn ablegen, bedecken und leicht andrücken.
- Reihenabstand: 40-50 cm zwischen den Doppelreihen, damit du zum Ernten durchkommst.
- Rankhilfe setzen: direkt bei der Aussaat, nicht erst später. So beschädigst du keine Wurzeln.
- Schützen: Ein Vlies oder Netz hält Vögel ab, die gern die Keimlinge herauszupfen.
Nach 10-20 Tagen erscheinen die Keimlinge. Wer früh ernten will, kann Erbsen ab Februar in Multitopfplatten vorziehen und die Jungpflanzen im März mit 5 cm Höhe auspflanzen.
Folgesaaten im Abstand von drei Wochen verlängern die Ernte. Ab Mitte Juni wird es meist zu heiß: Die Pflanzen blühen dann schlecht und bekommen verstärkt Mehltau.
Pflege
Erbsen gehören zu den pflegeleichtesten Gemüsearten: Entscheidend sind gleichmäßige Feuchtigkeit zur Blüte und eine stabile Rankhilfe. Bis zur Blüte kommen die Pflanzen mit Frühjahrsregen meist aus. Sobald die ersten Blüten erscheinen, steigt der Wasserbedarf deutlich: Gieß in Trockenphasen ein- bis zweimal pro Woche durchdringend, etwa 10-15 Liter pro Quadratmeter, und zwar direkt auf den Boden statt über das Laub.
Eine 3-5 cm dicke Mulchschicht aus Rasenschnitt hält die Erde kühl und feucht. Erbsen mögen es an den Wurzeln kühl: Warmer, ausgetrockneter Boden lässt die Blüten abfallen.
Düngen ist überflüssig. Die Knöllchenbakterien liefern Stickstoff, reifer Kompost vor der Aussaat deckt Kalium und Phosphor ab.
Anhäufeln: Wenn die Pflanzen 10-15 cm hoch sind, ziehst du Erde an die Stängel. Das stabilisiert und fördert zusätzliche Wurzeln.
Rankhilfe: Die Ranken greifen dünne Strukturen bis etwa 5 mm Durchmesser. Glatte Bambusstäbe allein funktionieren schlecht, Maschendraht, Erbsennetze oder Birkenreisig dagegen gut.
| Aspekt | Topf / Balkon | Freiland / Hochbeet |
|---|---|---|
| Sortenwahl | niedrig, bis 60 cm | alle Sorten |
| Gefäß | mind. 30 cm tief, 10 l | - |
| Gießen | in Blütezeit täglich prüfen | 1-2× pro Woche |
| Rankhilfe | kleines Gitter oder Reisig | Netz, Draht, Reisig bis 2 m |
| Aussaat | 5-6 Korn pro 10 l | 3-5 cm in der Reihe |
Ein Schnitt ist nicht nötig. Nur bei hohen Sorten kannst du die Triebspitzen oberhalb der Rankhilfe kappen. Die zarten Spitzen schmecken übrigens hervorragend im Salat.
Ernte & Verwendung
Erbsen erntest du etwa 10-12 Wochen nach der Aussaat, wenn die Hülsen prall und leuchtend grün sind, die Körner aber noch weich. Drück eine Hülse leicht: Sie sollte gefüllt sein, aber noch nicht hart oder runzlig werden. Zuckererbsen pflückst du deutlich früher, solange sie flach sind und sich die Körner nur schwach abzeichnen.
Ernte alle zwei bis drei Tage und halte die Pflanze beim Pflücken mit einer Hand fest, damit die Ranken nicht abreißen. Regelmäßiges Pflücken regt neuen Hülsenansatz an.
Frische Erbsen wandeln ihren Zucker innerhalb weniger Stunden in Stärke um. Deshalb gilt:
- Frisch: im Kühlschrank ungepalt 1-2 Tage
- Einfrieren: palen, 2 Minuten blanchieren, in Eiswasser abschrecken, bis 12 Monate haltbar
- Trocknen: Palerbsen an der Pflanze ausreifen lassen, bis die Hülsen rascheln, dann nachtrocknen
In der Küche passen junge Erbsen roh in Salate, als Erbsen-Minz-Suppe oder kurz gedünstet mit Butter. Zuckererbsen schmecken im Wok oder als Rohkost mit Dip. Getrocknete Palerbsen ergeben klassischen Erbseneintopf.
Mischkultur & Fruchtfolge
Erbsen harmonieren mit Gemüse, das keine Hülsenfrucht ist und den Platz neben den Rankreihen nutzt. Bewährt hat sich die Kombination mit Karotten: Beide haben unterschiedliche Wurzeltiefen und konkurrieren kaum. Radieschen und Salat nutzen die Lücken zwischen den Reihen, bevor die Erbsen in die Höhe gehen. Auch Kohlrabi, Gurke, Zucchini und Dill sind gute Nachbarn.
Ungünstig sind:
- Zwiebel, Knoblauch, Lauch: Laucharten hemmen Wachstum und Knöllchenbildung
- Bohnen: gleiche Familie, gleiche Schädlinge und Krankheiten
- Tomate und Kartoffel: unterschiedliche Ansprüche an Nährstoffe und Wasser
Für die Fruchtfolge ist eine Anbaupause von mindestens vier Jahren auf derselben Fläche wichtig. Erbsen sind selbstunverträglich und leiden sonst unter Bodenmüdigkeit durch Fußkrankheitserreger.
Nach der Ernte schneidest du die Pflanzen bodennah ab und lässt die Wurzeln mit den Stickstoffknöllchen in der Erde. Frühe Erbsen räumen das Beet im Juli, ideal für eine Nachkultur mit Starkzehrern wie Grünkohl, Brokkoli oder Endivien.
Reiß abgeerntete Erbsenpflanzen nicht heraus, sondern schneide sie knapp über dem Boden ab. Die Wurzelknöllchen verrotten im Beet und liefern der Nachkultur kostenlosen Stickstoff.
Krankheiten & Schädlinge
Die größten Probleme im Erbsenbeet sind Erbsenwickler, Blattläuse und Echter Mehltau. Alle drei treten bei späten Aussaaten deutlich häufiger auf. Frühe Saat ist daher die wirksamste Vorbeugung.
Erbsenwickler: Die Raupen eines kleinen Falters fressen sich in die Hülsen und hinterlassen angefressene Körner mit Kotkrümeln. Der Falter fliegt von Ende Mai bis Juli. Aussaaten bis Mitte April blühen meist vor dem Hauptflug, ein Kulturschutznetz während der Blüte hält die Falter fern.
Grüne Erbsenblattlaus: Kolonien an Triebspitzen und Blüten schwächen die Pflanzen und übertragen Viren. Abspritzen mit einem scharfen Wasserstrahl oder eine Schmierseifenlösung (20 g pro Liter) hilft. Marienkäfer und Florfliegen erledigen den Rest.
Echter Mehltau: Weißer, abwischbarer Belag auf Blättern und Hülsen, vor allem ab Juli bei Trockenheit. Gleichmäßig gießen, Sorten mit Mehltautoleranz wählen, befallene Teile entfernen.
Blattrandkäfer: Typisch sind halbrunde Fraßbuchten am Blattrand. Ältere Pflanzen verkraften das gut, Jungpflanzen schützt ein Vlies.
Bei Fußkrankheiten (braune Stängelbasis, welkende Pflanzen) hilft nur konsequente Fruchtfolge.
Beliebte Sorten
Die Sortenwahl entscheidet darüber, ob du früh säen kannst, eine hohe Rankhilfe brauchst und ob du Körner oder ganze Hülsen isst.
| Sorte | Typ | Höhe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kleine Rheinländerin | Palerbse | 40-60 cm | robust, frostfest, ab März säbar |
| Kelvedon Wonder | Markerbse | 45-60 cm | sehr süß, früh, mehltautolerant |
| Ambrosia | Zuckererbse | 60-80 cm | zarte Hülsen, hoher Ertrag |
| Norli | Zuckererbse | 50-60 cm | kompakt, gut für Kübel |
| Golden Sweet | Zuckererbse | 150-200 cm | gelbe Hülsen, violette Blüten |
| Blauwschokker | Kapuzinererbse | 150-180 cm | violette Hülsen, Zierwert |
Für Anfänger eignet sich ‘Kleine Rheinländerin’ am besten: Sie verzeiht kühle Frühjahre, steht ohne aufwendige Rankhilfe und liefert zuverlässig. Wer Süße sucht, greift zu ‘Kelvedon Wonder’.
Hohe, samenfeste Sorten wie ‘Golden Sweet’ und ‘Blauwschokker’ kannst du selbst vermehren: Lass einige Hülsen vollständig ausreifen und bewahre die trockenen Samen kühl und dunkel auf. Sie bleiben 3-4 Jahre keimfähig.
Häufige Probleme & Tipps
Der häufigste Anfängerfehler ist eine zu späte Aussaat: Erbsen, die erst im Juni in den Boden kommen, leiden unter Hitze, Mehltau und Erbsenwickler gleichzeitig. Säe lieber zu früh als zu spät.
Weitere typische Fehler:
- Markerbsen in kalten Boden: Die Samen faulen. Warte bis April oder nimm Palerbsen.
- Rankhilfe zu niedrig: Prüfe die Endhöhe auf der Samentüte, bevor du das Gerüst baust.
- Zu seltene Ernte: Überreife Hülsen signalisieren der Pflanze, die Blütenbildung einzustellen.
- Gelbe Blätter: Unten gelbe Blätter kurz vor Ernteende sind normal; bei Jungpflanzen deuten sie auf Staunässe oder Fußkrankheiten hin.
Saisonal im Überblick: Im März und April säen, im Mai anhäufeln und Rankhilfe kontrollieren, im Juni und Juli ernten und gießen, im Juli abräumen und nachpflanzen.
Ein letzter Tipp: Wer im Herbst keine Erbsen mehr ernten kann, sät die Reste als Gründüngung. Im September gesät, lockern Erbsen den Boden und reichern ihn bis zum ersten Frost mit Stickstoff an.

Häufig gestellte Fragen
Quellen
Michael Törner
Gartenexperte und Hobbygärtner
Ich bin Michael — Gründer von Mein Gartenwissen. Hier teile ich fundiertes Wissen rund um Gemüseanbau, Pflanzenpflege, Gartengestaltung und alles, was im Garten wächst und gedeiht — immer praxisnah und verständlich aufbereitet.
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